Scham und Beschämung
psychosozial 157 

Worauf Scham sich richtet, die Objekte der Scham, das wandelt sich mit der Zeit. Das, wofür man sich schämt, wird von den Werten der eigenen Gruppe und von gesellschaftlich fluiden Normen bestimmt. Entsprechend ändern sich Schamgrenzen und wechseln Schamgegenstände. Galt in unserer Gesellschaft die Scham lange dem Sexuellen, richtet sie sich heute eher auf die Perfektion des eigenen Körpers oder auf das Geld. Je mehr Scham wissenschaftlich erforscht und durchleuchtet wird, desto schneller kann die wissenschaftliche Erkenntnis missbraucht werden und für Machtdispositive genutzt werden. Das Wissen um die grundlegende affektive Kraft der Scham lädt dazu ein, sie gezielt hervorzurufen, also Beschämung als Waffe einzusetzen, um andere zu manipulieren und zu beherrschen. Das kann subtil oder dreist geschehen, und die Versuchung dies zu tun steigt in allen Verhältnissen von Abhängigkeit.

Die Beiträge greifen das Thema Scham aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Sie bilden ein Netzwerk, das von verschiedenen Seiten her kommend, von der Philosophie, der Psychoanalyse und den Sozialwissenschaften, den Themenbereich umkreist und beleuchtet.

Mit Beiträgen zum Themenschwerpunkt von Benigna Gerisch, Christa Hack, Wolfgang Hering, Joachim Küchenhoff, Elfriede Löchel, Rolf-Peter Warsitz und Heinz Weiss sowie mit freien Beiträgen von Christina Hofmann und Udo Rauchfleisch

 

Psychosozial-Verlag
144 Seiten, Broschur, 165 x 240 mm
Erschienen im August 2019
ISSN: 0171-3434, Bestell-Nr.: 8257