Nachträglichkeit und Neubeginn
psychosozial 154 

Nachträglichkeit ist Wiederaufnahme: Vielfältige und -schichtige biografische Eindrucksbildungen bis hin zu infantilem emotionalem Geschehen werden in zeitlicher Distanz unbewusst wieder aufgenommen und entfalten positive oder negative Wirkung. Seit der Prägung des Wortes durch Freud scheint die Idee der Nachträglichkeit zwar zentral, doch unterbestimmt zu sein: In Freuds Werk fehlt eine Ausformulierung dieses Konzepts, in seinen späteren Schriften kommt es kaum zur Anwendung und es findet auch in der Geschichte und Weiterentwicklung der Psychoanalyse trotz einiger bedeutender Werke zum Thema kaum eine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Das Anliegen dieser Ausgabe ist es daher, die Perspektiven auf Beziehung und Relationalität, auf Entwicklung-in-Beziehungen, auf Interaktion, Kommunikation, Kultur und Gesellschaft zu öffnen und zu weiten – hin zu einer Kultur des Umgangs mit Nachträglichkeit und Neubeginn, um von einer wissenschaftlichen Begrifflichkeit des Nachträglichen zur Verortung der Erscheinungen des Nachträglichen im sozialen Raum überzugehen. Die Kultur des Erinnerns, der Erinnerungsarbeit, der biografischen Selbstgewisserung im öffentlichen wie im persönlichen Raum hat sich heutzutage als etwas gesellschaftlich Essenzielles etabliert. Sie sollte auch ein tragendes Element in Psychotherapie und Psychoanalyse sein.

Mit Beiträgen zum Themenschwerpunkt von Brigitte Boothe, Marie-Luise Hermann, Helmwart Hierdeis, Christine Kirchhoff,  Klaus Kodalle, Jürgen Körner, David Lätsch, Andreas Mauz und Bianca Pick sowie mit einem freien Beitrag von Anna Schor-Tschudnowskaja und einem Beitrag in der Rubrik »psychosozial aktuell« von Marianne Leuzinger-Bohleber

 

Psychosozial-Verlag
152 Seiten, Broschur, 165 x 240 mm
Erschienen im November 2018
ISSN: 0171-3434, Bestell-Nr.: 8227